Müttersterblichkeit in Deutschland nimmt zu

Grafik Anstieg der Müttersterblichkeit in Deutschland
Müttersterblichkeit pro 100.000 (blau) und Säuglingssterblichkeit pro 1000 (rosa). Quelle mamortal
Dass Mütter kurz vor, während oder kurz nach der Geburt sterben, ist immer eine Tragödie und glücklicherweise eine Seltenheit. In den westlichen Industrienationen bis zu 100 mal weniger Frauen, als in den schwierigsten Krisengebieten weltweit. Erschreckend ist es trotzdem, dass bei zunehmender Technisierung und Effizienzsteigerung die Müttersterblichkeit in Deutschland und anderen Staaten inzwischen erneut zuzunehmen scheint.
 
"Als Müttersterbefall gilt der Tod einer Frau während der Schwangerschaft oder innerhalb von 42 Tagen nach Beendigung der Schwangerschaft aufgrund von Ursachen, die in Beziehung zur Schwangerschaft oder deren Behandlung stehen oder durch diese verschlechtert werden. Nicht zur Müttersterblichkeit gezählt werden Sterbefälle von Schwangeren durch Unfall oder zufällige Ereignisse."
Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
 
Da jedes Land die Müttersterblichkeit leicht anders definiert bzw. überhaupt dokumentiert ist ein Vergleich schwierig. Internationale Bezugsgröße ist die Zahl der verstorbenen Mütter aufgrund von Eingriffen, Unterlassungen und unsachgemäßer Behandlung oder Folgen daraus je 100.000 lebendgeborener Babys.
 
Das Vorzeigeland Schweden hatte 2010 einen der niedrigsten Werte (4,0) im internationalen Vergleich der Müttersterblichkeit, das heißt es starben 4 Frauen je 100.000 Lebendgeborener aufgrund einer schwangerschaftsbedingten Erkrankung, aufgrund eines Eingriffes oder aufgrund der Unterlassung eines Eingriffes bei einer Komplikation, aufgrund eines Operationsrisikos oder aufgrund unsachgemäßer Behandlung während Schwangerschaft, Geburt und 42 Tage danach. Die Müttersterblichkeit in Schweden ist konstant bzw. über einen längeren Zeitraum von 10 Jahren abnehmend. (Quelle: World Development Indicators WDI, 2013)
 
In den USA dagegen ist die Müttersterblichkeit seit 1998 angestiegen. Sie liegt inzwischen an 41. Stelle, hinter fast allen Industrienationen. Einerseits gilt die USA als hochtechnisiertes Land. Andererseits ist der Zugang zu Krankenversorgung für eine große Bevölkerungsgruppe, die in relativer Armut lebt erschwert, oder unbezahlbar. Beides könnte nach Ina May Gaskin ausschlaggebend für die extrem hohe Müttersterblichkeit sein, hohe Kaiserschnittraten von über 40%, hohe PDA Raten von über 80% und natürlich eine schlechte Versorgung von Schwangeren und Gebärenden. (Quelle: amnesty international ai)
 
In Deutschland erleben wir einen leider ähnlichen Trend. Bisher liegt Deutschland im Mittelfeld der Industrienationen mit 5 verstorbenen Frauen je 100 000 Lebendgeborener (absolute Zahlen: 2011 starben deutschlandweit 32 Frauen, die in die Müttersterblichkeitsstatistik eingingen.) (Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung)
Daten deuten daruf hin, dass auch in Deutschland die Müttersterblichkeit erneut leicht zunimmt.
 
Die häufigsten Ursachen für Müttersterblichkeit sind laut Prof. Dr. Herrmann Welsch (Stand 2008) eine Embolie (Bsp. durch eine Thrombose, Risikofaktoren Übergewicht, Pille und Rauchen), Verblutungsfälle, Hyperntensive Erkrankungen und Genitalsepsis.
In den Jahren 2001 bis 2010 gab es keinen einizigen mütterlichen Todesfall in der außerklinischen Geburtshilfe, auch nicht bei Frauen, die in die Klinik verlegt werden mussten. (Quelle: quag) Trotzdem ist die außerklinische Geburt nur in vielen und nicht in allen Fällen eine sehr sichere Art, ein Kind zur Welt zu bringen.
 
Eine der vermeidbarsten Todesfälle ist eine Verblutung nach dem Kaiserschnitt durch eine unzureichende Versorgung nach der Geburt. In den Jahren 2001 bis 2008 starben in Bayern 12 Frauen nach vaginaler und 34 Frauen nach einer Schnittentbindung. (Quelle: BGGF)
 
Grundsätzlich kann gesagt werden, dass in dem Moment, in dem die Versorgung der Schwangeren, Gebärenden oder Wöchnerin nicht mehr optimal ist, die Müttersterblichkeit rapide ansteigen kann. Die USA zeigt uns leider derzeit wie es zugehen kann.
 
In Deutschland liegt das Problem weniger an einer kostenpflichtigen Gesundheitsversorgung, sondern vielmehr
 
- an unzureichender Begleitung während der Geburt (siehe auch vermeidbare Todesfälle durch ausreichende Versorgung in 1:1 Betreuung durch Hebamme oder Facharzt nach OP). Kurz: zu wenige Hebammen mit zu wenig Leitungsverantwortung für zu viele Gebärende. Herabwürdigung des Hebammenberufs, der auf eine Hilfetätigkeit für Fachärzte beschränkt wird. Ärzte jedoch sind eher für Notfälle ausgebildet, als für physiologische Geburten.
 
- an zu vielen Eingriffen in den Verlauf der Geburt, und seien es noch so klein und unbedeutend erscheinende.  Aus anfangs physiologisch verlaufenden Geburten werden leider in sehr vielen Fällen ohne Not interventionsreiche und als pathologisch eingestufte Geburten "gemacht". Zum medizinischen Nachteil der Mütter und Kinder, für die die physiologische Geburt unübetroffen sicher gewesen wäre. Die Interventionsrate in deutschen Klinken beträgt stolze 96%. Nicht alle, aber viele dieser Eingriffe sind nicht ohne Risiko für Mutter und Kind. Alle Eingriffe haben das Potential, den physiologischen Verlauf einer Geburt zu verhindern (siehe auch z.B.  "Gesetz der Schließmuskeln" von Gaskin)  (Vergleich dazu "Die Geburt meines ersten Kindes" im fidibus Verlag)
 
- in Gegenden, in denen keine ortsnahe Geburtshilfe mehr angeboten wird. Frauen gebären ihr Kind alleine, weil keine adäquate Hilfe schnell ereichbar ist oder sie kein Vertrauen in eine Klinik mit einer sectio-Rate von über 40% haben. Eine außerklinische, nachgewiesenermaßen sehr sichere Art der Geburtshilfe, fehlt hier oftmals völlig. Alleingeburten ohne Hebamme oder illegaler Weise mit einer Hebamme, die diese Frau eigentlich nicht betreuen dürfte, nehmen zu.
 
- am Verlust des traditionellen Hebammenwissens. Ina May Gaskin hat nachgewiesen, dass ab einer landesweiten sectio-Rate von etwa 40% das Wissen um die ganz normalverlaufende Geburt verschwindet. Viele Hebammen haben noch nie eine Geburt ohne medizinische Eingriffe begleitet. Dabei sind Schwangerschaft und Geburt keine Krankheiten. Ina May Gaskin bekam 2011 auch deshalb den "Alternativen Nobelpreis", weil sie durch die Arbeit in ihrem Birth Center (Hausgeburtsbetreuung mit angeschlossenem Krankenhaus) auf eine sectio-Rate von unter 5% kam. Dabei hatte sie überdurchschhnittlich viele übergwichtige und Vielgebährende Frauen, die ein erhöhtes Risiko darstellten. Die Müttersterblichkeit ist nach wie vor bei Null.
 
Schwangerschaft und Geburt sind normalerweise keine Krankheit, außer, wir machen es dazu.
 
"Nur wer den Verlauf normaler Geburten ohne jede Intervention von außern kennt, merkt zuverlässig, wenn etwas schief läuft. Dann ist es an der Zeit, einzugreifen. Aber nicht früher." Ina May Gaskin in Birth Matters
 
"Eine Kaiserschnittrate von mehr als 10-15% ist durch nichts zu rechtfertigen" World Health Orginsation, 1985

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Kommentare: 14
  • #1

    miriam (Dienstag, 18 Februar 2014 20:51)

    Danke für diesen Beitrag. Schlagende Argument um den Hebammenberuf zu unterstützen.

  • #2

    Nele (Mittwoch, 19 Februar 2014 10:43)

    Das ist so ein wichtiger Beitrag! Danke! Wo ist das alte weise Wissen der Hebammen hin? Wenn es nicht weitergegeben wird, wird es bald niemanden mehr geben, der es weitergeben kann!!
    Ein wertvoller Satz ist der letzte dieses Artikels. Jede Hebamme und am besten auch jeder Gynäkologe sollte ein paar Monate "Praktikum" in der außerklinischen Geburtshilfe machen, um Vertrauen in die Natur und die menschlichen Instikte zu bekommen, und in der Klinik dieses Wissen überhaupt einfließen lassen zu KÖNNEN

  • #3

    Anja (Mittwoch, 19 Februar 2014 12:44)

    Der Beitrag ist so richtig und wichtig. Ich erkenne mich 100% wieder! Schwangerschaft und Geburt ist keine behandlungsbeduerftige Krankheit und sollte auch nicht so behandelt werden. Meine 4. Geburt war als einzige selbstbestimmt, ohne medizinische Eingriffe und voellig komplikationslos und schoen! Bei den 3 vorherigen kam es nach unnoetigen Eingriffen zu unnoetogen Komplikationen. Kinder sollten geboren und nicht entbunden werden!

  • #4

    Monika Riedel (Samstag, 01 März 2014 12:31)

    Ich bin selber Hebamme und zwar seit März 1980 und arbeite seit dem immer noch als klinikangestellte Hebamme.
    Seit dieser Zeit bin ich , so meine ich ,mit wachen Augen durch mein Berufsleben gegangen und bin zutiefst enttäuscht was die moderne Schulmedizin aus einem natürlichen Vorgang wie einer Schwangerschaft oder Geburt kreiert hat .
    Nämlich einen apparateüberwachten , medikamentenbegleiteten( Femibione , Jod usw) und strahlenbelasteten, (US/ CTG) krankhaften Vorgang, welcher dann auch noch in bis zu 40% der Fälle operativ beendet wird !
    Hat denn die Natur bis vor ca . 200 Jahren (Beginn der Krankenhaus- Geburten ), als die Kinder noch natürlich und nicht in "Krankenhäusern" zur Welt kamen , so viel falsch gemacht ?
    Sind damals nur behinderte und kranke Babys zur Welt gekommen, wie uns die Schulmedizin Angst machen möchte ?
    Wir Hebammen wissen es besser , meine ich !
    Leider haben aber viele von meinen jüngeren Kolleginnen kapituliert gegenüber der ohne Frage starken Medizin-Lobby.
    Wir Hebammen könnten sehr die Unterstützung aller Mütter/ Väter und zukünftigen Eltern gebrauchen( siehe Hebammen-Pedition)
    um das Wissen unseres tollen Berufes wieder allen werdenden Eltern zugänglich machen zu können.
    Ja und nicht zuletzt auch um das Vertrauen in die Natur ( der Mensch ist nur Bestandteil der Natur und niemals besser als Diese!)
    und ihren eigenen Körper wieder zu finden !

  • #5

    Marco (Montag, 28 April 2014 23:12)

    Ich zitiere "In den Jahren 2001 bis 2010 gab es keinen einizigen mütterlichen Todesfall in der außerklinischen Geburtshilfe, auch nicht bei Frauen, die in die Klinik verlegt werden mussten. (Quelle: quag)" und ergänze der Vollständigkeit aus der bayrischen Perinatalerhebung:
    Zwischen 2001 und 2004 gab es 8 direkte Müttersterbefälle in Bayern (und 2 indirekte). Alle diese ereigneten sich nicht unter Geburt sondern in der Schwangerschaft zu Hause (tot aufgefunden durch den Rettungsdienst) oder bei noch notfällig eingeleiteter Therapie im Krankenhaus. Die Todesursachen dieser 10 Einzelschicksale in 4 Jahren sind Thromboembolien (2), Blutungen (2), Sepsis (1), Eklampsie (1), EUG (1), Ambulante Interruptio mit mangelnder postoperativer Überwachung (1) oder Ruptur eines Aneurysmas (2).
    Im übrigen finde ich es außerordentlich fraglich, ob die Zielgröße "mütterliche Sterblichkeit" (32 Frauen in Deutschland pro Jahr!) im 21. Jahrhundert noch als wahres Kriterium qualitativ hochwertiger Geburtsmedizin zu werten ist, oder ob dafür nicht andere Zielgrößen besser geeignet wären. Vor 100 Jahren war die Rate (und nicht absolute Zahl) ca. 50 mal so hoch, damals ließe ich mir das ja noch gefallen und verweise auf die Statistik der WHO. Demnach wäre diese Rate Deutschlands von vor 100 Jahren mit der von "developing countries" vergleichbar (Asien).
    Geburtshilfliche Lehrbücher haben sich 1900 mit Themen befasst, die heutzutage nur noch in Horrorfilmen vorkommen und auf einer Homepage, die auch Minderjährigen zugänglich ist, nicht weiter ausgeführt werden dürften. Oder haben Sie ein Interesse daran zu lesen, auf welche Weise Kinder "extrahiert" (weil tot) werden mussten, wenn Sie nicht durch den Geburtskanal gepasst haben und es keine Sectio gab...
    Also bitte, wir brauchen gute Hebammen in einem gut ausgestatteten Kreißsaal mit einem Kinderarzt in der Hinterhand, weil 1/3 der Kinder wegen Unreife und 1/5 der Kinder wegen Atemstörungen versterben. Ganz zu schweigen von denen langfristigen Problemen der überlebenden Kinder, bei den ein geburtshilfliches Problem verschleppt wurde.

  • #6

    sylvana norit (Donnerstag, 17 Juli 2014 15:36)

    Hallo . ich habe schreckliche fussschmerzen und sie müssen es operieren

  • #7

    Daniela (Montag, 24 November 2014 14:08)

    Dieser Betrag ist so richtig und wichtig.
    Ich habe bis jetzt 3 Geburten gehabt diese waren alle im Verlauf unkompliziert und auch schön bei meiner letzten wollte meine Tochter nach den gesetzlichen 7 Tage über termin noch nicht zur Welt wie ich das einleiten an diesem Tag abgelehnt habe ist mir von der zuständigen Gynäkologin an den Kopf geworfen worden das ich dann ein behindertes oder Todes Kind bekomme wen ich nicht sofort einleiten lasse. Zum Glück haben zwei super Hebammen die ich bereits von den vorherigen Geburten kenne und eine ist auch die die mich während und nach der Geburt und auch bei den 2 vorherigen geburten betreut haben.
    Diese beiden Haben mein letztes ctg auch gesehen und haben auch gesagt das es mir und dem Kind super geht und ich auf mein Bauch Gefühl hören soll das habe ich auch.
    Wie ich am nächsten tag wieder zum ctg kommen sollte hat mir ein anderer Arzt alles nochmal in ruhe und ohne Druck erklärt und hab auch hier noch mal mit einer anderen hebamme geredet diese hat mir auch gesagt das alle mein Werte und die vom Kind super sind wir haben dann gesagt wir geben der kleinen noch paar tage und dann mit Tabletten langsam einleiten. Leider wollte die kleine in den paar tagen immer noch nicht kommen somit habe wir langsam mit der Einleitung begonnen was für mich mehr Stress und Ängste hervorragend gerufen hat.
    Im Endeffekt ist die kleine dann am abend der Einleitung normal und ohne Arzt geboren worden weil sie es dann so schnell wollte das es die Ärztin nicht mehr geschafft hat zum Glück war eine sehr gute hebamme da.
    was mich auch noch eigentlich traurig macht das von den Ärzten die Vorgeschichte nicht wirklich berücksichtigen den ich habe zum Beispiel alle "übertragen" und bei den ersten war am 8 Tag noch überhaupt kein reden von Einleitung hier müsste der Gesetzgeber mejr nachdenken und handeln.

    Ich kann allen nur den Rat geben sich nicht verrückt machen zu lassen und lieber noch bei anderen Hebammen und Ärzten nach zu fragen.

  • #8

    Daniela (Montag, 24 November 2014 14:16)

    Ach so habe ich vorhin vergessen zu schreiben
    Meine Tochter ist trotz Übertragung Kern gesund Putzmunter.
    Bin gespannt irgendwann wird schon Tage vor dem errechneten termin Stress gemacht das das Kind Tod behindert usw. Ist.

    Bin auch gespannt wie es bei meinen nächsten geburten werden wir.

  • #9

    Joan (Sonntag, 04 Januar 2015 16:55)

    Gibt es für die Geburtseinleitung bei gesunden Babys + Müttern überhaupt eine medizinische Indikation? Ich habe inzwischen so viele Geschichten von "übertragenen" Kindern gehört, und nie gab es irgendwelche Komplikationen - die kamen etwas später auf die Welt, und damit hatte es sich.

    So rein vom gesunden Menschenverstand her leuchtet mir auch nicht ein, warum es schlecht für ein Kind sein soll, etwas länger wachsen zu können bevor es auf die Welt kommen muss.

  • #10

    Lula (Mittwoch, 20 Mai 2015 10:05)

    Die Zahlen von Mamortal sind leider nicht aktuell. In der Gesundheitsberichterstattung des Bundes https://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gast&p_aid=0&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=9056::M%FCttersterblichkeit#T8 werden Zahlen bis 2012 ausgewiesen. Mit leichten Schwankungen sind sie rückläufig und 2012 bei 4,6 pro 100.000 Lebendgeborene. Grundsätzlich denke ich aber schon, dass die Müttersterblichkeit ein sehr sensibler Indikator für eine Bevölkerung und die Qualität ihrer Gesundheitsversorgung ist. Und ich teile die Bedenken, dass die guten Zahlen sich verschlechtern könnten, weil der Stress, unter den Mütter um und in der Geburt heutzutage gesetzt werden, sehr hoch ist bei gleichzeitig immer schlechter werdender Hebammenversorgung. Der Trend zu Alleingeburten nimmt definitiv wahrnehmbar zu, offenbar weil es keine ausreichende außerklinische Hebammenversorgung mehr gibt und für viele Frauen die hohen Risiken für Eingriffe und fehlenden Respekt vor der Selbstbestimmung in Kliniken zu hoch sind.
    Mich irritierte dieser Satz: "Trotzdem ist die außerklinische Geburt nur in vielen und nicht in allen Fällen eine sehr sichere Art, ein Kind zur Welt zu bringen." Die QUAG-Erhebungen zeigen definitiv, dass die außerklinische Geburtshilfe ein sehr gutes Risikomanagement hat. Die Ergebnisse sind sehr gut und halten dem Klinikvergleich stand. In vielen Bereichen sind die Ergebnisse sogar deutlich besser, wie die GKV-Pilotstudie zum Vergleich klinischer und außerklinischer Geburten gezeigt hat. Und auch abgebrochene Hausgeburten sind ein Beleg dafür, dass auch Schwangere mit einem niedrigen Geburtsrisiko sinnvoll verlegt werden.

  • #11

    Lula (Mittwoch, 20 Mai 2015 10:16)

    Terminüberschreitung: Es gibt keine gesetzliche Regelung (!!!), nach der Schwangere am statistisch errechneten Termin plus x Tage ihr Kind gebären müssen, sonst würde eingeleitet. Es gibt eine ärztliche Leitlinie zur Terminüberschreitung, die allerdings von der wissenschaftlichen Fundierung her äußerst schwach ist. Darauf hat bereits 2011 die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft hingewiesen, ohne dass die Ärzte in Ihrer Aktualisierung der Leitlinie darauf bezug genommen hätten. Das nenne ich mal Ignoranz wenn nicht grobe Fahrlässigkeit. Fakt ist, dass der Begriff "Terminüberschreitung" eine deutsche Erfindung ist. WHO und internationaler Gynäkologenverband FIGO sprechen erst ab ET + 14 von Übertragung. Alles davor ist die ganz normale statistische Varianz unterschiedlicher Tragzeiten bei Menschen. Das unter Stress setzen gesunder Schwangerer und ihrer Feten erfüllt in meinen Augen den Tatbestand der Körperverletzung und Nötigung. Eine ärztliche Beratung darf Risiken aufzeigen und Vor- und Nachteile eines abwartenden Verhaltens benennen. Sie muss aber unbedingt sachlich bleiben und darf nicht mit massivem psychischen Druck arbeiten. Auf jeden Fall ist aber das Recht auf Selbstbestimmung der Schwangeren zu achten, dies wird auch explizit in der Leitlinie so empfohlen (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-065l_S1_Termin%C3%BCberschreitung_%C3%9Cbertragung_02-2014.pdf). Sie entscheidet allein, ob sie einen Eingriff in ihre Schwangerschaft zulässt oder nicht. Dazu ist es absolut empfehlenswert, wenn sie sich von einer möglichst vertrauten und erfahrenen Hebamme begleiten und stärken lässt. Hier ist die Kritik der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft nachzulesen http://greenbirth.de/Stellungnahme-Ubertragung_110224.pdf

  • #12

    Der C (Dienstag, 16 Juni 2015 11:15)

    Genau so oder ähnlich würde ich mir meine Fakten auch zurecht legen, wenn ich mein Buch lancieren wollen würde. Ich bin durch Zufall auf der Suche nach Zahlen zum Thema maternale Mortalität hier gelandet und muss schon sagen; selten so einen gut gequirlltes und schick zurechtgesponnes Halbwahres gelesen.
    Rhetorisch sicherlich extrem gut, inhaltlich mit Sicherheit zumindest diskutierbar.

  • #13

    Vivien (Dienstag, 29 März 2016 08:41)

    Nach diesem Beitrag fühle ich noch viel ängstlicher vor einer Schwangerschaft. Ich schätze meine meinung wird sich nie mehr ändern, ich bin dagegen ein Kind zu bekommen.

  • #14

    Flora (Donnerstag, 18 August 2016 22:44)

    @Vivien Hier wird wirklich der Teufel an die Wand gemalt was das Thema Schwangerschaft und Geburt betrifft. Dabei sollte man nicht vergessen, dass die meisten Geburten in den nicht Entwicklungsländern sehr gut verlaufen. Deine Entscheidung ist verständlich und schade zugleich.